Cafes der Neustadt

Wer an Kaffeehäuser denkt, bringt zwangsläufig Wien damit in Verbindung. Das ist auch in Prag keinesfalls abwegig, da die Tradition des stundenlangen Sitzens über einer Tasse des aromatischen Tranks von Österreich nach Böhmen schwappte. Dass es bei einem Kaffeehausbesuch um mehr ging als die bloße Stärkung belegt die Aussage des tschechischen Literaturnobelpreisträgers Jaroslav Seifert, der oft und gern behauptete, dass der in Prag servierte Kaffee von miserabler Qualität war. Man traf sich, saß zusammen und diskutierte - kurz, die Prager Kaffeehäuser gehörten zur Kultur dieser Stadt und ihrer Bewohner.

Die traditionsreichsten und schönsten Cafés findet man in der Neustadt. Man muss sie nicht alle besuchen, doch zumindest in einem sollte man gewesen sein, um die ganz eigene Atmosphäre dieser Kaffeehäuser in vollen Zügen aufzunehmen. Das wohl skurrilste Café in diesem Viertel ist das Fantova kavárna unter der Jugendstilkuppel des alten Bahnhofsbereichs. Um die ehemaligen Fahrkartenschalter herum sind Tische und Stühle aufgestellt, und man kann entspannt auf das geschäftige Treiben in den unteren Etagen hinabschauen. Ebenfalls ein Augenschmaus für Jugendstilliebhaber ist das Café Europa in bester Lage, das jedoch völlig von Touristen vereinnahmt wurde. Trotz des hier nicht gerade erstklassigen Kaffees hat sich das Lokal einen gewissen plüschigen Charme bewahrt.

Das Café Imperial ist so, wie sein Name sagt: prächtig, kaiserlich, einfach schön. Die Decken und Wände sind vollständig mit Keramikmosaiken verkleidet, hier stimmt auch das Ambiente mit dem überein, was in den Tassen serviert wird. Wer auf Tuchfühlung mit Rilke und Kundera gehen möchte, begebe sich ins Kavárna Slavia, das seit der Renovierung außer seinen illustren ehemaligen Gästen nichts von seinem ursprünglichen Aussehen bewahrt hat. Dennoch blieb die Kaffeehausatmosphäre dank der grünen Ledersofas erhalten und der prachtvolle Ausblick auf die Moldau macht alles wieder gut.