Geschichte

Die Hunderttürmige oder das Jerusalem Europas sind nur zwei Assoziationen, die mit der Stadt Prag in Verbindung gebracht werden. Prag profitierte seit jeher von ihrer hervorragenden Lage an der Moldau und bereits im Mittelalter war die Stadt als kulturelle und wirtschaftliche Metropole in Europa bekannt. Die Bedeutung Prags geht mit der Gründung der Burg einher und wurde schon um 965 als reiche Stadt aus Stein und Lehm erwähnt, in der sich Händler von Rang und Namen ansiedelten. Mit dem Ausbau der Altstadt, der Neustadt und der Kleinseite bis zur Ernennung zur Königlichen Hauptstadt Ende des 18. Jahrhundert wuchs sowohl die Bedeutung als auch die Pracht der Moldaustadt. In den Straßen der Stadt spiegeln sich alle bedeutenden Stilepochen in prächtigen Bauwerken und in weniger pompösen Nutzbauten wider.

Der Reichtum Prags zog Baumeister und Künstler aus ganz Europa an, die hier ein unerschöpfliches Betätigungsfeld fanden. Als die Habsburger das Sagen in Prag und Böhmen übernahmen, schlugen sich die veränderten Machtverhältnisse auch in der Architektur nieder. Barock in monumentalen Ausmaßen löste die eher kleingliedrige Bebauung ab und gab Prag das großzügige Flair, das später mit dem Klassizismus fortgesetzt wurde. Politisch musste die Stadt wechselvolle Entwicklungen durchmachen. In die Geschichte ging Prag mit einem ihrer vielen Fensterstürze ein, nämlich dem berühmten von 1618, der den Dreißigjährigen Krieg auslöste, welcher ganz Europa in Brand steckte. Die Stadt litt ebenfalls unter den Kriegsauswirkungen und wurde von westfälischen und schwedischen Heeren eingenommen und geplündert. Die Folgen des langen Krieges, Pest und die unerbittliche Herrschaft der Habsburger bluteten das Land und die Stadt aus.

Den Todesstoß erhielt Prag von Friedrich dem Großen, der die Stadt in Trümmer schoss. Wiederaufbau unter Habsburger Regie und Unterdrückung der tschechischen Bevölkerung prägten die Zeit bis zum Ersten Weltkrieg. Der Zusammenbruch der habsburgischen Monarchie brachte dem Land die Freiheit und Prag rückte wieder in seine ehemalige zentrale Stellung auf. Die Tschechoslowakische Republik unter Masaryk brachte den Menschen das Nationalgefühl zurück, das sie über viele Jahre hinweg stets unterdrücken mussten. Das Dritte Reich machte dem jäh ein Ende und bis 1945 erlebte Prag eine Zeit schlimmer Unterdrückung und Grausamkeiten. Während des Kommunismus blieb Prag wie es war - es gab keine Weiterentwicklung, die fand erst behutsam nach dem Fall des Eisernen Vorhangs statt. Heute ist Prag eine moderne und weltoffene Großstadt, die zuversichtlich in die Zukunft blickt, auch wenn vieles noch sehr langsam und zögerlich voran geht.