Golem - Die Sagengestalt

In Prags altem Judenviertel fertigte der 1609 verstorbene Rabbi Löw einen Kunstmenschen aus Ton, legte ihm dann einen Zettel mit magischen Formeln unter die Zunge und erweckte ihn so zum Leben - der Golem war erschaffen. Diese alte Legende wurde im 18. Jahrhundert wieder abgestaubt und zu neuen Ehren respektive Gruseln gebracht. Anlass hierzu war das Grab des Rabbis auf dem Prager Judenfriedhof, dem man die Erfüllung seiner Wünsche nachsagt, wenn man einen entsprechenden Zettel auf den Grabstein legt.

Die Legende vom Golem ist überall dort zuhause, wo Juden leben, doch bezweifelt niemand, dass sie in Prag ihren Ursprung genommen hat. Übrigens schrieb Gustav Meyrink einen der berühmtesten Romane über dieses Thema. Es wird vermutet, dass er darin seine auf Drogenkonsum zurückzuführenden Höhenflüge und Depressionen verarbeitete. Rabbi Löw wurde nicht nur durch die Erschaffung des Golems berühmt. Der Prager Rabbiner war vor allem wegen seiner Weisheit angesehen und sein Ruf als Lehrer einer Talmudschule reichte weit über die Stadtgrenzen von Prag hinaus. In seiner Gemeinde und im damaligen Böhmen war er als Theologe, Pädagoge und Gelehrter anerkannt, und es erschien seinen Anhängern nur die logische Konsequenz zu sein, ihm auch die Erschaffung dieses Sagenwesens zuzuschreiben.

Der Golem stand allen Juden bei und bewahrte sie vor Pogromen und Unterdrückung, ein Wunsch, den die jüdische Bevölkerung im ausgehenden 16. Jahrhundert von ganzem Herzen hegte. Auf dem Stein der berühmtesten Grabstätte des jüdischen Friedhofs in der Prager Josefstadt werden auch heute noch Zettel niedergelegt, die Wünsche und Bitten enthalten.