Josefstadt

Die Josefstadt (Josefov) ist das einstige jüdische Viertel von Prag. Hier rankten sich Legenden und Gerüchte um die ehemaligen engen Gassen mit ihren dunklen, kleinen Häusern, die fast alle Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen wurden. Das Viertel wurde danach neu gestaltet: vornehme Gebäude in wunderschönem Jugendstil säumen eine der vornehmsten Straßen der Stadt: die Pariszká, die Pariser Straße. Nur einige Synagogen wurden von dem Erneuerungswunsch der Stadtväter verschont, zu deren schönsten die Spanelskà synagógá, die Spanische Synagoge zählt. In diesem jüdischen Gotteshaus liegt übrigens Frantisek Skroup begraben, der die tschechische Nationalhymne komponierte.

Das Josefov hat ebenso wie seine Bewohner eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Ursprünglich befand sich hier das jüdische Getto, das aus allen Nähten zu platzen drohte. Kaiser Joseph II. ließ in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Gettomauern niederreißen und gewährte den Juden bürgerähnliche Rechte. Später durften sie sogar außerhalb des Gettos wohnen, so dass das nach dem wohltätigen Kaiser benannte Viertel immer mehr zum Armenhaus Prags verkam. Miserable hygienische Bedingungen veranlassten die Stadträte schließlich dazu, beinahe die gesamte Josefstadt dem Erdboden gleichzumachen und so zu bebauen, wie sie sich noch heute den Besuchern präsentiert.
Einen beeindruckenden Einblick in das Leben der Prager Juden gewinnt man im Jüdischen Museum. Es ist die älteste Sammlung seiner Art, obwohl viele Ausstellungsstücke während der deutschen Besatzungszeit geraubt wurden. Trotz des Bruchteils seiner Exponate zeigt das Museum anhand von Drucken, Büchern und religiösen Kultgegenständen Interessantes über die den Nichtjuden in vielem so fremde Kultur und ihrer Bräuche.

Im Josefov wurde auch Franz Kafka geboren, der in Prag den gleichen Stellenwert einnimmt wie Schiller für Weimar. Überhaupt war die Josefstadt ein beliebter Wohnort für Literaten und Künstler aller Art. Auch die düstere Legende vom Golem, dem jüdischen Kunstmenschen, wurde hier geboren.

Der jüdische Friedhof, der sich in seiner Schmucklosigkeit beinahe krass von den christlichen unterscheidet, legt ein beeindruckendes Zeugnis des jüdischen Totenkults ab. Anstatt Blumen werden Steinchen auf den eng aneinander stehenden Grabsteinen abgelegt; kleine Zettel mit Wünschen oder Bitten findet man ebenfalls auf den Gräbern.
Weitaus lebendiger geht es dagegen auf der eleganten Parizská zu, wo luxuriöse Boutiquen und ebenfalls sehr preisintensive Cafés zum Bummeln und Verweilen einladen.