Kafka

Obwohl Franz Kafka in Prag gelebt und gearbeitet hat, kommt die Stadt in keinem seiner Werke vor. Dabei prägte diese Stadt den von seinen Lesern verehrten und von vielen Schülern gehassten Schriftsteller nachhaltig. "Diese verdammte Stadt" oder "Dieses Mütterchen hat Krallen" waren seine wenig schmeichelhaften Kommentare zu seiner Geburtsstadt. Doch dies stört die Prager kaum. Kafka ist in jedem Reiseführer und jedem Souvenirladen zu finden. Die Stadt liebt ihren berühmten Sohn und sieht ihm dabei so manches nach. Sein Geburtshaus in der Josefstadt, dem alten Judenviertel, sollte man sich auch dann ansehen, wenn man keinen Kafka im Bücherschrank hat. Zwar ist von dem Haus am Námesti Franze Kafky nur noch das Portal im Original zu bewundern, da das übrige Gebäude der umfassenden Umgestaltung dieses Viertels weichen musste. Heute ist ein Mittelding zwischen Museum und Fanshop in diesem Haus untergebracht. Ein Plan markiert die wichtigsten Stationen in Kafkas Leben, die man bequem zu Fuß erkunden kann; sogar der Tennisplatz, auf dem er gespielt hat, ist darauf verzeichnet.

Nach seiner Schulzeit im Kinský-Palais, in dem das Staatsgymnasium untergebracht war, nahm Kafka sein Jurastudium am altehrwürdigen Carolinum auf. Im Haus der Familie Kafka in der Niklasstraße 36 schrieb Franz "Das Urteil" und "Die Verwandlung". Kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs zog die Familie direkt an den Altstädter Ring in ein Eckhaus, das damals noch in der ehemaligen Judenstadt lag. Dann hatte der inzwischen 32-Jährige endlich genug von seiner Familie und zog in das auf dem Hradschin gelegene Alchimistengässchen. Zuweilen besaß Kafka bis zu vier Wohnanschriften, wobei er im Schönborn-Palais auf der Kleinseite nur zwei Zimmer eines Seitenflügels bezogen hatte, die zudem kalt und zugig waren.

Sein auf Lungentuberkulose deutender Bluthusten zwang ihn zu längeren Sanatoriumsaufenthalten, bis Kafka schließlich wieder zu seinen Eltern zog. Als er am 3. Juli 1924 gerade 41-jährig, starb Franz Kafka und wurde auf dem Friedhof von Strasnice südwestlich des Stadtzentrums begraben. Wer außerhalb der Öffnungszeiten vor dem Friedhofstor steht, kann von der Straße Nad vodovodem aus durch das Gitter hindurch einen Blick auf den schlichten, doppelkonischen Grabstein erhaschen.