Palais Kinsky

Das an der Ostseite des Altstädter Rings gelegene Palais Kinsky fällt nicht nur wegen seiner wunderschönen Rokokofassade ins Auge, sondern hebt sich auch durch seine vorgeschobene Lage von den übrigen Gebäuden ab. An der Stelle des dreigeschossigen Palais standen im Mittelalter zwei Häuser, die diesem Prachtbau weichen mussten. Das von Kilian Ignaz Dientzenhofer geplante Gebäude gilt als das schönste Palais in Prag. Doch die gewaltigen Ausmaße und die breite Fassade des Bauwerks wirken keinesfalls wuchtig oder erdrückend; durch die Standbilder antiker Gottheiten und die verschwenderisch gestalteten Reliefs wurde von dem damaligen Baumeister eine fast spielerische Heiterkeit geschaffen, die ein Hauptmerkmal des Rokoko darstellt. Dabei fügt sich das Palais harmonisch in seine Umgebung ein, ohne sich ihr jedoch gefügig anzupassen.

Das Palais Kinsky ist nicht nur ein gelungenes Meisterwerk der Baukunst im 18. Jahrhundert, es kann auch auf berühmte Besucher und eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. In den Räumen dieses heiteren Gebäudes wuchs die Komtesse Bertha Kinsky auf, die später als Freifrau von Suttner mit ihrem pazifistischen Roman "Die Waffen nieder!" zu schriftstellerischem Ruhm gelangte. Alfred Nobel war derart fasziniert von dieser mit friedlichen Mitteln kämpfenden Frau, dass er ihr zu Ehren den Friedensnobelpreis stiftete, dessen erste weibliche Trägerin sie 1905 wurde. Im Erdgeschoss des Palais betrieb der Vater von Franz Kafka sein Galanteriewarengeschäft, während sein Sohn zwei Stockwerke über ihm das deutschsprachige Humanistische Gymnasium besuchte. Nach einigen Besitzerwechseln befand sich während der 1. Republik das Präsidium der tschechischen Regierung in diesem Gebäude. Heute residiert das Ministerium für Kultur durchaus stilecht im Palais Kinsky und weite Teile des Gebäudes stehen der Nationalgalerie für Wechselausstellungen zur Verfügung.