Repräsentationshaus

Unmittelbar neben dem Pulverturm in der Altstadt steht das Gemeinde- oder Repräsentationshaus, das Obecní dum. Auf diesem Areal stand der ehemalige Königshof, der König Wenzel IV. anstelle der Prager Burg als Regierungssitz diente. Als der Gebäudekomplex, der im Laufe seines Bestehens ständig wechselnder Verwendung unterworfen war, zu Beginn des 20. Jahrhunderts niedergerissen wurde, entstand hier im Auftrag der Prager Gemeinde das in reinstem Jugendstil errichtete extravagante Gebäude. Was man im heutigen Sprachgebrauch als "Multifunktionsbau" bezeichnen würde, war bereits vor über hundert Jahren als solcher konzipiert. Unter der gewaltigen Glaskuppel dienten sechs Säle, ein Restaurant, eine Kneipe, ein Café und Büroräume den Repräsentationszwecken der Stadt und natürlich ihren Bewohnern selbst. Im riesigen Smetana-Saal mit 1.500 Sitzplätzen wurde am 28. Oktober 1918 die 1. Tschechoslowakische Republik ausgerufen.

An der beeindruckenden Ausstattung dieses an einen Monumentalbau erinnernden Gebäudes haben alle damaligen tschechischen Künstler von Rang und Namen mitgewirkt. Die Außenfassade wurde mit vielen für Prag und Böhmen wichtigen Ereignissen und Allegorien geschmückt, so zum Beispiel die von Ladislav Saloun geschaffene Plastiken "Demütigung und Auferstehung des Volkes". Dieses Schwelgen in Pracht und Ausstattungsreichtum setzte sich auch in den Innenräumen fort, wobei man selbst die Büros künstlerisch gestaltete. Am aufwändigsten wurde der Smetana-Saal geschmückt, ihn zieren Statuen, Fresken und eine üppige Deckendekoration. Alljährlich findet in diesem Saal die Eröffnung des Musikfestivals "Prager Frühling" statt. Die Säle bleiben den Besuchern zwar die meiste Zeit des Jahres über verschlossen, doch laden das Café mit seinem Jugendstil-Brunnen sowie das Restaurant zum Verweilen und Staunen ein.